Meine profane Familie ist mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt. Mein kleiner Sohn ist schon ganz aufgeregt, wuselt durch die Wohnung und singt immer wieder vor sich hin:
“Happy birthday to you, happy birthday to you!”
Komisch, frage ich, wer hat den heute Geburtstag? Darauf meine Frau wie aus der Pistole geschossen: “Na, Jesus!”
Mein kleiner Sohn beißt genüsslich in sein Toastbrot, betrachtet es zufrieden von allen Seiten und sagt:
“Papa, weißt du eigentlich, warum ich froh bin, dass ich nicht bei den Urmenschen geboren bin?”
“Nein, keine Ahnung.”
“Na weil mein Frühstück nicht weglaufen kann!”
Zitat des Tages:
„Alle Tiere sind gleich,
aber manche sind gleicher.“
(George Orwell, Farm der Tiere)
Seit heute bin ich, mit jedem Tag, der noch kommt, länger Bundesbürger als ich DDR-Bürger war. Das ist eigentlich nicht weiter denkwürdig, aber ich bin erschrocken, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Heute vor zwanzig Jahren habe ich gedacht, wie es wohl sein wird, wenn sich der Tag der Wiedervereinigung zum ersten, fünften oder zehnten Mal jährt. Ich hatte tatsächlich angenommen, dass es spätestens nach zehn Jahren keine Rolle mehr spielt, ob man aus dem Osten oder Westen Deutschlands kommt. Aber offensichtlich ist das Problem auch nach zwanzig Jahren noch nicht gelöst und die so häufig erwähnte „Mauer im Kopf“ immer noch nicht gefallen – auf beiden Seiten. Dort leben wohl noch immer die „Besser-Wessis“ hier die „Jammer-Ossis“.
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