Zwischenstand

Zitat des Tages:

„Alle Tiere sind gleich,
aber manche sind gleicher.“
(George Orwell, Farm der Tiere)

Seit heute bin ich, mit jedem Tag, der noch kommt, länger Bundesbürger als ich DDR-Bürger war. Das ist eigentlich nicht weiter denkwürdig, aber ich bin erschrocken, wie schnell die Zeit vergangen ist.

Heute vor zwanzig Jahren habe ich gedacht, wie es wohl sein wird, wenn sich der Tag der Wiedervereinigung zum ersten, fünften oder zehnten Mal jährt. Ich hatte tatsächlich angenommen, dass es spätestens nach zehn Jahren keine Rolle mehr spielt, ob man aus dem Osten oder Westen Deutschlands kommt. Aber offensichtlich ist das Problem auch nach zwanzig Jahren noch nicht gelöst und die so häufig erwähnte „Mauer im Kopf“ immer noch nicht gefallen – auf beiden Seiten. Dort leben wohl noch immer die „Besser-Wessis“ hier die „Jammer-Ossis“. Weiterlesen →

But und Göse

Es heißt, dass man sich immer an die Ereignisse besonders gut erinnern kann, die mit starken Emotionen verknüpft sind. Aber heute, am 9. November 2009, kann ich mich gerade beim besten Willen nicht erinnern, was ich vor zwanzig Jahren nach 18:53 Uhr gemacht habe.

Ich befand mich im Norden des Landes auf einer Insel in einer Einheit der NVA und musste meinen “Ehrendienst” ableisten, der im Wesentlichen aus Empfangen und Weiterleiten von sinnlosen Morsezeichen bestand. Weiterlesen →

Fahnenflucht

Schon einen Tag, nachdem Deutschlands Traum von einem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft ausgeträumt war, hatte ich das Gefühl, dass auch die Hochstimmung im Lande schlagartig vorüber war. Zwar beeilten sich die Medien, unsere Mannschaft hochzuloben, manch anderer sprach auch von den Weltmeistern der Herzen, aber die Luft war raus. Keine in Schwarz-Rot-Gold gehüllten Menschen mehr auf den Straßen, keine lautstarken Fußballübertragungen in der Kneipe gegenüber, verblasste Fan-Tatoos auf Ober- und Unterarmen und – das fiel mir als Erstes auf – kaum noch Deutschlandflaggen an den Autos. Waren die Straßen Berlins in den Wochen und Tagen zuvor in ein buntes Flaggenmeer getaucht, hatten jetzt bis auf ein paar hartgesottene Patrioten die Autofahrer in meinem unmittelbaren Umfeld (Bötzowviertel) alle Flaggen entfernt. Als wär’s ihnen nun peinlich “Flagge zu zeigen”. Was haben die damit gemacht? Im Hauptstadtblog war kürzlich die Antwort zu lesen: Die BSR-Abfallberatung empfiehlt als letzte Konsequenz die Restabfalltonne…